Kategorien
Bedürfnisse Gewaltfreie Kommunikation

Geborgenheit

Geborgenheit war für mich früher: Kind sein

Mein erstes großes GFK-Seminar, Anfang 2015. Eine kurze Zuhör-Übung: “Erzähle deinem Gegenüber 3 Minuten lang, was für dich Geborgenheit bedeutet”. Und die andere Person sollte nur schweigend zuhören. In meiner Zweiergruppe war ich zuerst dran mit erzählen. Ich dachte mir “oh je, was soll ich denn da sagen”. So wirklich klar war mir damals nicht, was Geborgenheit für mich bedeutet.

Meine erste Assoziation war: ok, das habe ich als Kind erlebt, mit meinen Eltern. Geborgen in den Armen meiner Mutter oder meines Vaters. Mehr ist mir nicht eingefallen. Mir ist sehr schmerzlich klargeworden, dass ich diese Art von Geborgenheit schon sehr lange nicht mehr erlebt hatte. Meine Mutter war damals schon seit längerem immer wieder krank, hatte sich körperlich und geistig stark verändert und war zunehmend auf Hilfe angewiesen. Diese kindliche Geborgenheit durch meine Mutter schien weit weg und fast schon für immer unerreichbar. Dieser Gedanke hat sehr wehgetan – und weil ich nah am Wasser gebaut bin, flossen auch einige Tränen.

Der Grund dafür: ich hatte dieses menschliche Grundbedürfnis ganz eng an Personen und bestimmte Situationen gekoppelt. Und das ist es eben nicht!

Hin zur Freiheit

Diese Erkenntnis kam seit diesem Moment in vielen kleinen Schritten zu mir. Der erste kleine Schritt war der zweite Teil der Zuhör-Übung – da hat mir die zweite Person in unserer Zweiergruppe erzählt, wie sie Geborgenheit erlebt. Zum Beispiel gemütlich eingekuschelt auf dem Sofa sitzen und lesen. Das hat meinen Blick schon mal etwas mehr geöffnet. Zwei Jahre später kam in einem anderen GFK-Seminar wieder das Thema Geborgenheit, und wir haben in der Gruppe gesammelt, was jeder so macht, um sich Geborgenheit zu erfüllen. 

Vor kurzem war ich im 2. Block meiner Coaching-Ausbildung wieder sehr stark im Kontakt mit Geborgenheit. In einer Situation haben wir Coaching-Prozesse geübt indem wir uns gegenseitig bei eigenen Fragestellungen begleitet haben. Und ich habe mich danach bei meiner Übungspartnerin bedankt – und dabei natürlich auch versucht, ihr meine Wertschätzung auszudrücken, in dem ich ihr sage was sich dadurch für mich erfüllt hat (siehe Extra-Artikel: Wertschätzung): “Die Art und Weise, wie du mich begleitet hast, da habe ich mich so angenommen gefühlt. Moment: wenn ich denke, ich bin angenommen, was erfüllt sich denn dadurch? Geborgenheit? Ja, tatsächlich: ich habe Geborgenheit erlebt! Danke!” Ich war etwas überrascht, und es hat sich erst etwas komisch angefühlt, das so zu sagen. Und es war einfach so.

Ich weiß inzwischen, dass ich ganz viele Möglichkeiten habe, um Geborgenheit zu erleben. Geborgenheit ist eben nicht an eine bestimmte Person oder Situation gekoppelt. Es gibt sehr sehr viele Möglichkeiten, sich Geborgenheit zu erfüllen. Unabhängig von Person, Ort, Zeit, Art und Weise. Natürlich gibt es bestimmte Möglichkeiten, die mir sehr gut gefallen und wie ich mir Geborgenheit sehr gerne und oft erfülle – aber die Anzahl der Möglichkeiten ist unendlich. Über diese Erkenntnis bin ich froh und dankbar, weil es mir eine innere Freiheit und Weite gibt.

Was bedeutet Geborgenheit heute für mich?

Geborgenheit hat für mich viel damit zu tun, dass ich Schutz und Vertrauen erlebe. Wenn ich denke, ich kann mich fallen lassen und werde gehalten. Wenn ich umsorgt werde und den Eindruck habe, ich bin jemandem wichtig. Egal was passiert, es ist ok.

Manchmal reicht es sogar, wenn ich selbst gut für mich sorge, mich selbst wichtig nehme und mich so nehmen kann wie ich bin.

Meine Liste

Hier ist meine (unvollständige) Liste, wie sich Geborgenheit erfüllen kann. Manches mache ich selbst, manches habe ich von anderen gehört. 

  • Mich gemütlich auf dem Sofa einkuscheln und lesen
  • Im Wald spazierengehen
  • An einen Baum sitzen und mich anlehnen
  • Einen geliebten Menschen von Herzen umarmen
  • Erleben, wie sich andere Menschen in einer Gruppe verletzlich und offen zeigen und erleben, dass es in dieser Gruppe ok ist.
  • Mich in einer Gruppe verletzlich und offen zeigen (in der ich weiß, es ist ok)
  • Mit Fieber im Bett liegen und vom Partner umsorgt werden
  • Im Winter abends nach Hause kommen ins warme Haus

Wie sind deine Ideen? Wie erfüllst du dir Geborgenheit? Ich würde mich über Kommentare freuen, ich erweitere meine Liste gerne!

Verwandte Bedürfnisse

Vertrauen, Nähe, Verbundenheit, Fürsorge, Gemütlichkeit, Gemeinschaft, Akzeptanz, Sicherheit, Schutz

Kategorien
Bedürfnisse Mindset

Wie Du Vergleiche als Kraftquelle nutzen kannst

Wenn wir uns mit anderen Menschen vergleichen, dann wirkt das oft destruktiv und wir werten uns selbst oder die anderen Menschen ab. Aber es geht auch anders – Vergleiche können uns Kraft geben und uns inspirieren!

Kategorien
Gewaltfreie Kommunikation

Was magst du an dir?

Diese Woche hatte ich eine für mich sehr wertvolle Erkenntnis. Im ersten Block meiner Ausbildung zum Empathischen Coach haben wir eine Übung zum Zuhören gemacht: Wir sollten uns drei Dinge überlegen, die wir an uns selbst mögen, und das dann einem anderen Teilnehmer erzählen. Der Zuhörende sollte dann in dieser Übung das wiedergeben, das er/sie gehört hat. 

Kategorien
Coaching Gewaltfreie Kommunikation

Der ist un-coachable! Über (vermeintlich) beratungsresistente Kunden.

Ich höre diesen Spruch in letzter Zeit immer mal wieder von Coach-Kollegen und auch Coaching-Trainern: Dieser oder jene Klient sei “un-coachable”, also beratungsresistent. Dieses Wort höre ich durchaus auch in anderen Zusammenhängen, außerhalb vom Coaching.

Mich nervt das jedes Mal ein kleines bißchen. Es hat so etwas von einem Stempel, der der Person aufgedrückt wird: So, du bist beratungsresistent, ein hoffnungsloser Fall, mit dir stimmt was nicht, hör auf meine Zeit zu verschwenden.

Kategorien
Gewaltfreie Kommunikation

Von der Balance zwischen Zuhören und Mitteilen

Ich erlebe es immer wieder, dass Menschen mir berichten, sie würden bei einer bestimmten Person nicht oder viel zu wenig zu Wort kommen. Da fallen dann Sätze wie “der quatscht einen tot” oder “ständig erzählt die von ihren Problemen – ich komm’ mir vor wie der Seelen-Mülleimer” oder “es geht immer nur um sie, und ich komme gar nicht zu Wort – meine Probleme scheinen sie nicht zu interessieren”.

Übersetzt heißt das für mich: Diese Menschen brauchen mehr Balance zwischen zuhören und mitteilen. Sie wollen, dass es ausgewogen zugeht, dass jeder zu Wort kommen kann.  Diese Balance kann auf verschiedene Weisen ins Schwanken geraten – und auch wieder ausgeglichen werden.

Kategorien
Gewaltfreie Kommunikation

Eine besondere Art von Zwiegespräch

Vor kurzem habe ich mit einer Coaching-Klientin über das Thema Zuhören gesprochen, weil sie den Wunsch hatte, die Kommunikation mit ihrem Partner zu verbessern. Ich habe ihr dann eine Form für eine besondere Art von Zwiegespräch erklärt und wir haben sie auch ganz kurz zusammen geübt. Diese Zwiegespräche – manchmal habe ich auch die Bezeichnung “Dyaden” dafür gehört – habe ich schon in vielen Seminaren erlebt und auch in meinen Seminaren etliche Male angeleitet. Ich denke, diese Anleitung könnte für andere Menschen auch hilfreich sein, um mehr übereinander und sich selbst zu erfahren, deshalb schreibe ich sie hier auf.

Kategorien
Gewaltfreie Kommunikation Mindset

“I wonder” – wie ich wieder mehr ins Staunen komme

Neulich habe ich mir einen Text von Marshall B. Rosenberg angehört. Unter anderem hat er dabei das Lied “I wonder” (Text von Ruth Bebermeyer) gesungen.

Und ich mag dieses Lied, jedesmal wieder. Das englische Wort “to wonder” mag ich ohnehin irgendwie gern. Ich finde dafür im Deutschen keine besonders schöne Entsprechung. Man kann es je nach Kontext übersetzen mit: sich fragen, etwas wissen wollen, sich über etwas wundern, etwas bestaunen, über etwas staunen, Bewunderung ausdrücken, sich über jemanden/etwas Gedanken machen, sich über jemanden/etwas wundern.

Kategorien
Bedürfnisse Gewaltfreie Kommunikation Mindset

15 Tipps, wie du aus immer gleichen Reaktionen aussteigen kannst

Geht es dir manchmal auch so, dass du auf bestimmte Situationen immer wieder gleich reagierst – und dich hinterher über dich selbst ärgerst?

Kategorien
Gewaltfreie Kommunikation Mindset Selbstbewusstsein

Nein sagen

Ich hatte neulich eine Coaching Session, da ging es im Wesentlichen um folgendes Thema: die Klientin war überlastet, weil immer wieder Menschen in Ihrer Umgebung sie um einen Gefallen gebeten haben. Irgendwo auszuhelfen beim Schwager im Laden, auf die Nichten aufzupasssen oder sowas. Und sie hatte große Mühe damit, „nein“ zu sagen. Also, entweder hat sie dann das gemacht, obwohl sie ihre eigenen Sachen dafür liegen lassen musste, oder sie hat „nein“ gesagt und hat sich aber ganz furchtbar schlecht gefühlt damit.

Und weil ich denke, dass sie damit nicht allein ist, und viele Menschen ähnliche Situationen kennen, habe ich diesen Artikel geschrieben.

Kategorien
Gewaltfreie Kommunikation Mediation

Knatsch unterm Weihnachtsbaum? Beziehungskater?

Knatsch unterm Weihnachtsbaum? Silvester mit verbalen Böllern?
Beziehungskater nach Silvesterfeier? Familienfrieden nach Weihnachten gestört?