Es nervt! Warum muss sich eigentlich jeder Coach nennen und Coaching anbieten?

OK, ich nenne mich auch Coach – genauer gesagt Life-Coach oder AufblühCoach. Und entsprechend nenne ich meine Dienstleistung auch Coaching – AufblühCoaching, Life-Coaching, Empathisches Coaching…

Und immer wieder frage ich mich, ob ich diese Worte wirklich verwenden will. Ein Grund ist, weil es (bisher?) keine weibliche Form gibt, die mir gefällt – weder “Coachin” noch “Coach-Frau” hat mich bisher so richtig überzeugt. Fun Fact am Rande: “Die Coach” ist laut Duden eine “im 19. Jahrhundert verwendete vierrädrige Kutsche für vier Personen”

Aber “was mich an meiner Branche total aufregt” (so der Titel einer Blogparade von Judith “Sympatexter” Peters), ist der fast schon inflationäre Gebrauch der Worte Coach und Coaching für so ziemlich alles. Ich habe den Eindruck, Coach und Coaching wird überall wild verwendet für ganz unterschiedliche Dinge. Nett formuliert: Coaching ist ein Sammelbegriff für verschiedene Formen der Begleitung / Beratung / Unterstützung.

Was alles als “Coaching” bezeichnet wird

Ursprünglich wurde das Wort wohl als Synonym für Sport-Trainer verwendet, vor allem im Englischen Sprachraum. Inzwischen hat sich die Bedeutung erweitert für Trainer in beliebigen Bereichen, z.B. im Bereich Business, Ernährung, Entspannung. Und es ist die Bedeutung hinzugekommen die Beratung und Begleitung von Menschen, z.B. zur Entwicklung des eigenen Potentials.

Da der Begriff “Coach” nicht geschützt ist, kann sich jeder so nennen. Egal ob jemand keinerlei Ausbildung und Qualifikation hat, ob jemand Psychotherapeut, Universitätsprofessor oder Sportlehrer ist, oder ob jemand eine Coaching-Ausbildung (irgendwo zwischen einem Wochenende oder mehreren Jahren) absolviert hat.

Das Coaching selbst kann einzeln oder in Gruppen stattfinden, es kann ein Gespräch sein oder aus Aktivitäten (z.B. Fitness-Übungen, Meditation) bestehen. In einem Coaching-Gespräch gibt es eine große Bandbreite: Aktives Zuhören, Tipps, Kurzvorträge, klare Handlungsaufforderungen, komplexe Methoden und Tools – alles kann dabei sein.

Jede dieser Formen hat auch ihre Berechtigung und Klienten, die genau das brauchen. Aber es gibt eben eine generelle Unklarheit, was “Coaching” bedeutet und entsprechend viel Erklärungsbedarf.

Es nervt! Warum muss sich eigentlich jeder Coach nennen und Coaching anbieten?

Warum mir das nicht gefällt

Auch wenn Coaching gerade eine Art Mode zu sein scheint und jeder der etwas auf sich hält, zu seinem Coach geht – wirklich in der Breite der Bevölkerung ist Coaching in Deutschland noch nicht angekommen. Insbesondere Life-Coaching, also Coaching mit Bezug zu persönlichen Themen und Fragestellungen. Entsprechend groß ist die Gefahr, dass auch alles, was “Coaching” heißt, gedanklich in einen Topf geworfen wird.

Sprich, alles was jemand mal über ein bestimmtes Coaching gehört oder erfahren hat, färbt schnell auf jedes andere Coaching ab. Und je weniger persönliche Erfahrung – auch mit verschiedenen Coaching-Formen – da ist, desto eher greifen Vorurteile.

  • “ich brauch keinen Psychologen und auch keinen Coach, mit mir ist ja alles in Ordnung”
  • “Coaching, da sagt mir dann jemand, wie ich mein Leben führen soll – darauf habe ich keinen Bock”
  • “klingt irgendwie Esoterisch…”
  • “das sind doch alles selbsternannte Coaches, das bringt doch nichts”
  • “ich brauche nicht noch jemanden, der mir schlaue Tipps und Ratschläge gibt”
  • oder auch: “ich gehe jetzt zu einem Coach – der sagt mir dann was ich tun soll”
  • “ich schaffe es alleine nicht – ich brauche einen Coach, der mir mal ab und zu in den Hintern tritt und mich motiviert”

Alles übrigens Aussagen, die so gar nicht passen zu dem, was ich als Life-Coaching anbiete und erfahren habe!

Und was ist Coaching für mich?

Im Wikipedia-Artikel zu Coaching gefällt mir die Zusammenfassung gut (beim Rest sehe ich einiges anders…). “Im Unterschied zur klassischen Beratung werden keine direkten Lösungsvorschläge durch den Coach geliefert, sondern die Entwicklung eigener Lösungen wird begleitet. Coaching bezeichnet strukturierte Gespräche zwischen einem Coach und einem Coachee (Klienten) […]. Die Ziele dieser Gespräche reichen von der Einschätzung und Entwicklung persönlicher Kompetenzen und Perspektiven über Anregungen zur Selbstreflexion bis hin zur Überwindung von Konflikten […]. Dabei fungiert der Coach als neutraler, kritischer Gesprächspartner und verwendet je nach Ziel [unterschiedliche] Methoden.”

Mein Selbstverständnis als Coach in Bezug auf Life-Coaching wie ich es anbiete:

  • ich höre in erster Linie zu: auf Augenhöhe, mit viel Verständnis
  • während des Coachings findet die KlientIn selbst Lösungen, die genau für ihre Situation passen
  • Tipps gebe ich nur auf Wunsch oder nach expliziter Nachfrage ob es gewünscht ist
  • ich sehe es als meine Aufgabe an, hinter die Worte zu blicken und aufzudecken was die tiefere Motivation dafür sein könnte. Ich stelle dabei nur Vermutungen an – die Deutungshoheit bleibt immer beim Klienten!
  • Im Life-Coaching geht es um die Gegenwart und um die Zukunft.
  • Ich sehe Menschen als grundsätzlich gut und vollständig an.
  • Sinn und Zweck eines Life-Coachings ist, mit bestimmten Situationen besser klarzukommen.
  • Ein Life-Coaching zu machen, ist ein Zeichen von Stärke – es zeigt, dass ich mir die Investition (Zeit – Geld – Energie) wert bin um mich weiterzuentwickeln
  • auch wenn jemand schon viele Selbst-Coaching Tools kennt und verwendet: mit Unterstützung in einem Life-Coaching geht es einfacher, schneller, tiefer.
  • Ich nehme selbst regelmäßig Coaching für mich in Anspruch und bilde mich in verschiedenen Seminaren weiter. Außerdem bespreche ich immer wieder Fälle mit Kollegen – anonymisiert, versteht sich. All das dient meiner persönlichen und beruflichen Weiterentwicklung.

Von meinen Klienten höre ich nach dem Coaching oft Sätze wie:

  • “das hat mir jetzt richtig weitergeholfen”
  • “endlich habe ich mal das Gefühl, jemand versteht mich, und ich darf so sein wie ich bin”
  • “mir ist plötzlich viel klarer, warum ich so reagiere”
  • “ich habe jetzt so viele Ideen, was ich machen kann”
  • “etwas hat sich entspannt, es ist wie als wäre eine große Last von meinen Schultern abgefallen”

Die Suche nach dem richtigen Wort

Immer wieder habe ich versucht, ein anderes Wort zu finden – bisher erfolglos. Falls du ein Wort kennst, das treffend beschreibt, was ich mache: gern her damit!

Hier habe ich eine Reihe von verwandten Worten gesammelt und notiert, was davon auf mich zutrifft und was nicht.

Beratung

Vereinfacht gesagt, gibt ein Berater Tipps und Ratschläge, die idealerweise individuell angepasst sind.

In meinem Programm Digital Aufblühen mache ich das teilweise – wenn ich z.B. einem Klienten empfehle, ein Backup-Plugin zu installieren.

Für mein Life-Coaching passt das Wort nicht, weil ich da ja die Klientin dabei unterstütze, selbst die Lösungen zu finden. Sie ist schließlich die Expertin für ihr Leben und weiß selbst am besten, was funktionieren könnte und was nicht.

In meinem Gewerbeschein steht übrigens “Lebensberatung” – aber nur deshalb, weil das die nahegelegenste Kategorie war, die das Gewerbeamt für Life-Coaching anzubieten hatte…

Training

Ein Trainer vermittelt Methodenkompetenz. Training ist eine Art Unterricht für Erwachsene, es wird etwas Neues gelernt oder geübt.

Im Bereich Gewaltfreie Kommunikation biete ich durchaus Trainings an. Und auch mein Programm Digitales Aufblühen hat Elemente von Training, z.B. bringe ich dort Klienten bei, wie sie einen neuen Blogbeitrag in WordPress anlegen und mit Inhalt füllen können.

Beim Life-Coaching geht es vor allem darum, sich selbst zu erforschen und kennenzulernen – und daraus ergeben sich dann auch die Lösungen. In manchen Blogartikeln schreibe ich darüber, wie die Leser sich selbst besser kennenlernen können und darüber, wie bestimmte Methoden selbst angewendet werden können (Selbst-Coaching) – eine Art Mischform.

Mentoring

Beim Mentoring gibt eine erfahrene Person ihr Wissen und ihre Erfahrung an jemanden weiter, der noch nicht so viel Erfahrung hat und unterstützt den Mentee fachlich und / oder persönlich.

Schon durch die unterschiedlichen Zielgruppen ist klar: mein Life-Coaching ist etwas anderes. Mentoring würde ja voraussetzen, dass die Klienten selbst Coach sind oder werden wollen.

Psychotherapie

Psychotherapie ist gesetzlich geregelt und erfordert eine entsprechende Ausbildung und Zulassung. Per Definition befasst sich die Psychotherapie mit der Behandlung von “Störungen mit Krankheitswert” (so steht es im Psychotherapeutengesetz).

Das alles trifft auf mich und meine Klienten nicht zu – ich bin kein Psychotherapeut, meine Klienten sind nicht krank. Punkt.

Begleitung

Mhm, ja. irgendwie schon. Etwas daran gefällt mir. Ich begleite Menschen durchaus während der Zeit des Coachings.

Allerdings ist das Wort Begleitung noch viel unklarer als das Wort Coaching – von musikalischer Begleitung über Stebebegleitung und Begleitschutz bis hin zur Begleitagentur… Äh – dann doch lieber Coaching.

Mein Fazit

Die ideale Lösung habe ich für mich noch nicht gefunden. Dass das Wort Coaching so unterschiedlich belegt ist, werde ich erst mal nicht ändern können. Also werde ich versuchen, so genau wie möglich zu beschreiben und greifbar zu machen, wie mein Angebot genau aussieht und was ein Kunde bei mir erwarten kann – und was nicht.

Also (erst mal) doch: AufblühCoaching!

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