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Coaching Mediation

Was tun, wenn der Haussegen schief hängt?

Gerade nach den Feiertagen oder auch im Urlaub knirscht es in so mancher Beziehung, der Haussegen hängt schief. Einige Möglichkeiten, wieder zusammenzufinden, die Beziehung zu retten und mit der Situation besser umzugehen, habe ich hier gesammelt.

Für diesen Artikel hier gehe ich davon aus, dass es noch so viele Gemeinsamkeiten gibt, dass eine Trennung gerade nicht im Raum steht – die Spannungen aber trotzdem sehr deutlich sind.

Falls die Beziehung als Ganzes in Frage steht, verweise ich auf meinen Blogartikel “gehen oder bleiben?”, den ich vor einiger Zeit veröffentlicht habe.

Wieso sind Feiertage und Urlaub so gefährlich für Beziehungen?

Ich habe einige Vermutungen, warum das so sein könnte.

Im Alltag übers Jahr sind beide Partner meist beschäftigt mit dem Job. Über die Feiertage oder im Urlaub entfällt oft diese Ablenkung für einen längeren Zeitraum.

Ich denke, diese intensiven Zeiten zu zweit verstärken alles, was in einer Beziehung da ist. Bei einer stabilen und festen Beziehung entsteht noch mehr Nähe und Verbindung. Wenn es ungeklärte Konflikte oder Differenzen gibt, dann treten diese in den Vordergrund und werden offensichtlich.

Gerade das Jahresende ist außerdem ein guter Anlass, um auf das vergangene Jahr zurückzuschauen. Und der Beginn eines neuen Jahres ist ein guter Anlass, um zu planen, wie es im kommenden Jahr weitergehen soll. Das betrifft natürlich auch Beziehungen.

Was also tun, wenn der Haussegen schief hängt?

Hier ist eine lose Sammlung von Ideen, was in dieser Situation helfen kann. Nach den Feiertagen oder nach dem Urlaub oder auch sonst im Alltag.

Miteinander reden

Das klingt trivial. Passiert aber leider doch ziemlich häufig, dass ein Partner unzufrieden mit etwas ist und trotzdem nicht darüber spricht.

“Das weiß der / die doch!” (nein, weiß er / sie nicht – Gedankenleser sind selten!)
“bringt ja doch nichts, der / die ist halt so”
“ich trau mich nicht, da gibt es bloß Streit”
“ist schon nicht so wichtig, das gibt sich wieder”

Ich kenne das leider auch aus eigener Erfahrung – der Beziehung hat das nicht geholfen – im Gegenteil. Angestaute Unzufriedenheit wächst über die Jahre einfach immer weiter. Und vor allem trennt diese ungeklärte Unzufriedenheit. Die innere Distanz wächst mit jeder Kleinigkeit, über die sich jemand unausgesprochen ärgert.

Lernen, wie “miteinander reden” geht

Das mit dem “miteinander reden” ist in der Praxis nicht so einfach. Auch wenn es zu einem Gespräch kommt, ist das Ergebnis oft nicht wie gewünscht.

Für mich ist ein Gespräch dann gelungen, wenn am Ende mehr Verbindung und innere Nähe zwischen den Gesprächspartnern besteht als am Anfang. Ob auch das ursprüngliche Problem geklärt wurde, ist für mich eher zweitrangig. Je mehr Verbindung und Nähe zwischen zwei Menschen besteht, umso einfacher ist es, gemeinsame Lösungen zu finden.

Ich finde es lohnt sich, etwas Zeit zu investieren um zu lernen, wie das gelingen kann. Wie man Gespräche so führen kann, dass Verbindung und Kontakt gestärkt werden – auch und gerade Konfliktgespräche.

Es gibt eine Menge Lernmöglichkeiten – Bücher, Seminare, (Blog-)Artikel, Podcasts, Onlinekurse. Und es gibt verschiedene Methoden, die zu besserer Verständigung beitragen. Ich möchte an dieser Stelle drei nennen. Die vier Seiten einer Nachricht, die fünf Sprachen der Liebe und die Gewaltfreie Kommunikation.

Vier Seiten einer Nachricht

Dieses Modell von Schulz von Thun beschreibt, dass alles was jemand sagt, auf einer von vier Ebenen abgeschickt werden kann. Und auch der Zuhörer kann das Gesagte auf einer dieser vier Ebenen empfangen.

  • Sachebene
    Ich will eine Sachinformation teilen.
    Ich denke, du teilst eine Sachinformation.
  • Selbstkundgabe
    Ich will etwas von mir erzählen.
    Ich denke, du willst etwas von dir erzählen.
  • Beziehungsseite
    Ich will sagen, was ich von dir halte.
    Ich denke, du willst mir sagen, was du von mir hälst
  • Appellseite
    Ich will dir sagen, was du machen sollst.
    Ich denke, dass du mir sagst was ich machen soll.

Schwierig wird es in der Kommunikation dann, wenn Sprecher und Zuhörer von verschiedenen Ebenen ausgehen. Also wenn ich zum Beispiel sage “Ich habe Hunger” – will ich vielleicht einfach was von mir sagen (Selbstkundgabe). Der Partner könnte das aber hören als Vorwurf, warum noch nicht endlich was zum essen auf dem Tisch steht (Beziehungsseite) oder als Bitte, etwas zum essen zu besorgen (Appellseite).

Ich finde es zumindest hilfreich, sich dieser Ebenen bewusst zu sein – und im Zweifel einfach mal nachzufragen, auf welcher Ebene das gerade gemeint war.

Fünf Sprachen der Liebe

Menschen leben Liebe unterschiedlich und haben unterschiedliche Wege, ihre Liebe für jemanden auszudrücken. Gary Chapman hat dafür den Begriff “Fünf Sprachen der Liebe” geprägt.

  • Lob und Anerkennung
  • Zweisamkeit – Zeit zu zweit verbringen
  • Geschenke die von Herzen kommen
  • Hilfsbereitschaft
  • Zärtlichkeit

Wenn jetzt zwei Menschen in Beziehung sind, die unterschiedliche Sprachen der Liebe sprechen, dann kann das zu Missverständnissen führen. Zum Beispiel (Achtung Klischeealarm!): Er drückt Liebe durch Hilfsbereitsschaft aus, repariert ihr Fahrrad und trägt ihre schwere Tasche. Sie drückt Liebe durch Geschenke aus, schenkt ihm immer wieder Kleinigkeiten – was Süßes oder was Praktisches. Er: was soll das immer mit dem Zeug, was sie schenkt. Sie: warum schenkt er mir nie was – er liebt mich nicht!

Ich finde es hilfreich, zu wissen, dass Menschen Liebe unterschiedlich ausdrücken. Dann könnte ich zum Beispiel auch ganz direkt fragen: woran merkst du, dass dich jemand liebt? Wie zeigst du jemandem deine Liebe?

Gewaltfreie Kommunikation

Ich habe eine Menge Seminare in Gewaltfreier Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg besucht und gebe auch selbst immer wieder Trainings zu dieser Methode. Für eine ganze Menge Menschen, die ich dort getroffen habe, war die treibende Motivation, sich damit zu beschäftigen: die Beziehung retten.

Was für mich ganz wichtig ist an dieser Methode:

  • eine innere Haltung, eine Ausrichtung auf echte und starke Verbindung
  • Fokus auf die Herzensanliegen, die allen Menschen gemeinsam sind
  • Zuhören von Herzen
  • Sprechen von Herzen
  • Wissen über und Vermeiden von Kommunikationssperren

Für mich ist die Gewaltfreie Kommunikation auch eine ganz wesentliche Methode für Persönlichkeitsentwicklung. Einen separaten Artikel darüber plane ich bereits.

Sich unterstützen lassen – allein oder gemeinsam

Mit Unterstützung geht vieles besser und einfacher.

Manchmal hilft es und reicht auch aus, mit einer guten Freundin, einem guten Freund über die Situation zu reden. Mal abseits der Beziehung Dampf abzulassen. Sich einen guten freundschaftlichen Rat zu holen. Sich trösten zu lassen. Das tut einfach gut.

Manchmal ist es hilfreich, sich von einer neutralen Person überstützen zu lassen. Von einem Coach zum Beispiel. Gerade dann, wenn schon einiges erfolglos versucht wurde.

Wenn miteinander reden einfach nicht klappt, dann gibt es auch hier die Möglichkeit der Unterstützung durch Dritte. Eheberatung, Paartherapie zum Beispiel. Oder ein gemeinsames Konfliktgespräch mit jemandem, der neutral ist und sich im Vermitteln bei Streit auskennt – das kann wirklich sehr dazu beitragen, sich wieder anzunähern.

Das Gute stärken

In jeder Beziehung gibt es ja auch gute Seiten. Dinge die gut laufen. Das, was man am Partner, an der Partnerin sehr gerne mag. Gemeinsame Aktivitäten die gut tun.

Schon im Alltag geht das oft unter, und erst recht in Situationen in denen es nicht so toll läuft. Um so wertvoller, sich auch mal allein oder gemeinsam Zeit zu nehmen und sich bewusst zu machen, was eigentlich die Beziehung zusammen hält. Und dann vielleicht Wege zu finden, wie es (wieder) mehr davon geben kann.

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