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Wie Du Vergleiche als Kraftquelle nutzen kannst

Vergleiche wirken oft destruktiv und werten uns selbst oder andere Menschen ab. Aber es geht auch anders – Vergleiche können uns auch Kraft geben und uns inspirieren!

Wenn wir uns mit anderen Menschen vergleichen, dann wirkt das oft destruktiv und wir werten uns selbst oder die anderen Menschen ab. Aber es geht auch anders – Vergleiche können uns Kraft geben und uns inspirieren!

Die destruktiven Vergleiche

Ich habe mal ein paar Gespräche unter Blüten belauscht: 😉

  • Knospe: “oh man, die anderen sind alle schon dabei Früchte zu bilden, und ich bin gerade mal eine Mini-Knospe. Ich bin einfach zu langsam, das wird nie was!
  • Blüte: “Ha, ich bin viel schöner als diese abgeblühte da drüben. Und viel größer als diese Mini-Knospe da. Und die Bienen mögen mich viel lieber als diese Früchte dort.” 
  • Verblühte Blüte: “jetzt ist alles vorbei, ich wollte ich wär immer noch so schön wie früher. Na gut, immerhin habe ich nicht mehr so viele Flausen im Kopf wie die Knospen.
  • Frucht: “ich bin viel zu groß und zu dick. Ich müsste mal abnehmen. Die da drüben ist so schlank und elegant, so will ich auch sein

Nein, ernsthaft – ich glaube nicht dass Pflanzen oder Tiere so reden würden wenn wir sie verstehen könnten. Wir Menschen allerdings sind wahre Meister darin, uns mit anderen zu vergleichen.

Destruktive Vergleiche werten ab

Vergleichsobjekte finden wir überall: Manchmal im echten Leben, manchmal bei berühmten Persönlichkeiten oder auch bei Menschen in den Sozialen Medien oder in den Nachrichten.

Wenn wir lang genug suchen, finden wir völlig unabhängig mit unserer Situation immer jemanden, der besser, hübscher, intelligenter, liebevoller, kreativer, sportlicher… ist als wir selbst, oder? Diese Art von Vergleichen zieht uns meist runter. Wir fühlen uns schlecht. Es erscheint uns hoffnungslos. Oft impliziert der Vergleich die Abwertung von uns selbst. Immer dann, wenn wir bei uns nur die vermeintlichen Mängel und Schwächen sehen und bei Anderen nur die wahrgenommenen Vorzüge und Stärken.

Und genauso finden wir immer auch Menschen, bei denen wir selbst in irgendeiner Form die Nase vor haben. Und fast immer enthalten diese Vergleiche eine Abwertung dieser Menschen, die vermeintlich schlechter, häßlicher, unmoralischer oder dümmer als wir selbst sind.

Warum werten wir uns oder andere so oft ab?

Abwertung klingt doch sehr negativ, oder? Ich zumindest mag nicht gern von irgendwem abgewertet werden! Trotzdem machen wir es! Also muss es aus meiner Sicht irgendeinen Vorteil davon geben – zumindest kurzfristig oder erhofft – sonst würden wir es ja nicht machen. Hier ein paar Vermutungen:

Eigener Selbstwert

Ich denke, bei der Abwertung anderer Menschen ist es ziemlich offensichtlich. Die Küchenpsychologie sagt: Wer andere abwertet, macht das vor allem deshalb, weil er eine eigene Schwäche oder Unsicherheit nicht spüren will. Also eigene Aufwertung durch Abwertung anderer.

Selbstwert ist an sich eine gute und wichtige Sache! Wer sich selbst als wertvoll ansieht, setzt sich auch für sich selbst ein und hat letztlich einen Überlebensvorteil. Auch offensichtlich: Dauerhaft macht diese Art von Vergleich nicht glücklich – niemand mag Menschen, die sich selbst auf Kosten anderer erhöhen.

Selbstwert von Anderen

Im direkten sozialen Kontakt kann ein Vergleich wie “oh, du kannst das so toll, du bist viel schöner als ich” den Selbstwert des Angesprochenen erhöhen (auf Kosten des eigenen Selbstwerts…). Und vermutlich fühlt sich die andere Person wertgeschätzt, bestätigt, oder? Dadurch ist sie mir vielleicht eher wohlgesonnen, milde gestimmt, eher bereit mich zu unterstützen wenn es mir schlecht geht (und es geht mir ja schließlich viel schlechter als dieser tollen Person, auch das habe ich ja damit klargemacht!). Zusammenhalt in der Gemeinschaft ist etwas fundamental wichtiges!

Es ist bequem…

(…und vielleicht gefällt es dir jetzt nicht, das Folgende zu lesen…)

Wenn ich mich im Vergleich über andere Menschen stelle  – “ich bin ja viel besser / politisch korrekter / toleranter / schlauer als xxx”, dann habe ich auch keinerlei Grund dazu mich zu verändern, mich weiterzuentwickeln. Ich unterstelle, dass dies meist nicht aus einer tiefen Akzeptanz der eigenen Situation geschieht, sondern eher aus einem Ausblenden und Verdrängen eines Teils der Wirklichkeit.

Beispiel: “Ich bin Vegetarier, ich lebe viel klimaschonender als die Mehrheit der Deutschen!” Wenn es dabei bleibt – gefährlich, finde ich – dann neige ich vielleicht dazu, eine überdurchschnittlich große Wohnung, Flugreisen oder ähnliches auszublenden. (so ein Satz heißt natürlich nicht automatisch, dass es auch dabei bleibt und dass dieser Mensch genau so denkt – siehe weiter unten!)

Auch umgekehrt: Der Vergleich mit anderen, die schon viel, viel weiter oder besser sind als ich, hat oft einen versteckten Nutzen darin, dass es mir ein Argument dafür gibt, warum ich mich nicht verändern muss: Es hat ja sowieso keinen Sinn! Das erreichte ich ja doch nie – also brauche ich gar nicht erst anfangen und kann alles so lassen wie es ist.

Orientierung

Ich denke, in gewisser Weise helfen uns diese Vergleiche und die Abwertungen dabei, unsere innere Landkarte zu füllen – es gibt uns eine Art von Orientierung, zu wissen wer im Vergleich zu wem wo steht auf der Skala von gut, schön, sportlich, moralisch…. Und diese Orientierung gibt uns wiederum eine gewisse Sicherheit, wir wissen wo wir dran sind.
Eine gewisse Gefahr bei dieser Art von Orientierung: wenn ich so sein will wie jemand anderes – mache ich dann wirklich das, was mir selbst entspricht? Oder werde ich zur Kopie des anderen? Und ich glaube, es passiert ganz oft so eine Kombination daraus – wir denken einerseits, so toll wie xy können wir nie werden, versuchen aber trotzdem diese Person zu kopieren, so zu werden wie sie. Das kann eigentlich nur schiefgehen.

Und anderes…

Bestimmt gibt es auch noch andere (versteckte) Nutzen, je nach Situation und Person.

Wie können wir die Kraft von Vergleichen nutzen?

Alle diese Werte sind wichtig für uns! Wie können wir nun diese Werte auf kraftvolle Art und Weise erreichen? Selbstwert, Zusammenhalt in der Gemeinschaft, Leichtigkeit, Orientierung – und gleichzeitig gegenseitige Wertschätzung und Motivation für persönliche Weiterentwicklung.

Die Antwort darauf sieht vermutlich für jeden Einzelnen unterschiedlich aus. Ich gebe hier einige Anregungen, wie ich Vergleiche für mich positiv nutze.

Inspiration, Ansporn, Motivation

Für mich der größte Nutzen aus Vergleichen mit anderen Menschen: Es kann mich dazu anspornen mich zu verändern, mich weiterzuentwickeln. “So will ich auch sein!” Ich finde etwas toll bei jemanden und deshalb ändere ich mich jetzt und arbeite an mir, bis ich auch diese Fähigkeit habe, die ich am anderen so bewundere. Dann kann es ein positiver Antrieb sein.

Gleichzeitig ist es mir wichtig, mich immer wieder zu fragen: Was ist mein Weg?

Positive Orientierung 

Es gibt zwei Vergleiche, die ich wirklich hilfreich finde:

  1. Wie habe ich mich positiv entwickelt im Vergleich zu dem, wie ich gestern, letzten Monat, letztes Jahr, vor 10 Jahren war?
  2. Wo will ich hin – was mache ich im Vergleich zu meiner besten, schönsten, optimalsten Version von mir, und wie komme ich Schritt für Schritt jeden Tag dieser Version ein kleinen bisschen näher?

Beispiel: “Vor 10 Jahren habe ich noch viel Fleisch gegessen – jetzt bin ich schon seit 3 Jahren Vegetarier und lebe schon damit ein Stück klimafreundlicher als früher. Ich bin dabei, auch meine anderen Lebensbereiche zu überprüfen und nach und nach klimaverträglicher zu gestalten – zum Beispiel nur noch mit der Bahn in den Urlaub fahren.”

Wertschätzung und wahre Akzeptanz

Wenn mir Gedanken kommen, die destruktive Vergleiche beinhalten, hilft es mir, mir folgendes bewusst zu machen. Jede Lebensphase hat ihre wertvollen Seiten, wichtige, schöne Aspekte: 

  • Der Neubeginn, das Suchen, das neugierige Erforschen von Möglichkeiten
  • Das Ankommen in einem neuen Zustand, sich hineinfinden in etwas
  • Sich so richtig zuhause fühlen in einer Situation
  • Abschied von etwas, loslassen von alten Dingen

Gerade Phasen, in denen schon klar ist dass etwas Altes nicht mehr da ist oder nicht mehr funktioniert, aber noch nichts Neues in Sicht ist, sind mit viel Unsicherheit und Schmerz (ich meine vor allem: seelischen, emotionalen, mentalen Schmerz) verbunden. Die verblühte Blume, sozusagen – keine schöne Blüte mehr, aber auch noch keine sichtbare Frucht. Aber auch jede Art von schwieriger, schmerzhafter Situation kann im Nachhinein eine positive Seite haben – weil wir zum Beispiel Dinge dabei lernen, die später wertvoll sind, weil wir als Mensch wachsen, weil unsere Beziehungen sich vertiefen.

Wahre Akzeptanz bedeutet für mich, die Realität mit all ihren Facetten zu sehen und damit ok zu sein, dass es jetzt gerade so ist. Auch und gerade dann, wenn ich gleichzeitig sehe dass es an vielen Stellen noch Möglichkeiten zur Veränderung gibt.

Positive Vergleiche werten auf

Um den Bogen zu den Pflanzen wieder zu schlagen – vielleicht würde das dann so klingen. “Ich bin gerade eine Knospe. Im Vergleich zur letzten Woche bin ich schon viel größer, und bald bin ich bereit, mich zu öffnen. Jetzt genieße ich es noch, dass ich geschützt bin vor Regen. Ich bin eine wunderbare Knospe und ich weiß es steckt noch eine viel schönere Blüte in mir, die später Früchte entwickeln wird. Jeden Tag werde ich ein kleines Stück größer und entwickle mich dort hin.

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