Ordnung und Chaos – 15 Tipps wie du endlich einfacher Aufräumen kannst
ein winziger Ausschnitt aus meinen ebay-Verkäufen

Ordnung und Chaos – 15 Tipps wie du endlich einfacher Aufräumen kannst

Mein aktuell wichtigstes privates Projekt ist, meine Wohnung auszumisten, altes Zeug durchsortieren und möglichst viel davon loswerden (Altpapier, Flohmarkt, Wertstoffhof…). Und ich komme gut damit voran, Teile meiner Wohnung gefallen mir wieder richtig gut und ich freue mich schon auf die nächsten Schritte. Ganz nebenbei habe ich dabei gelernt, wie ich einfacher Aufräumen kann.

Update: Seit August 2019 hat sich einiges in meiner Wohnung getan – ich habe im April 2020 noch mehr Tipps aufgeschrieben.

Das war nicht immer so.

Wer mich ein bisschen kennt, weiß dass ich – freundlich formuliert – kreatives Chaos brauche. Um ehrlich zu sein ist das eine sehr schöngefärbte Formulierung. Ich weiß schon seit Jahren, dass mich die vielen (alten) Dinge um mich herum eher belasten als inspirieren. Ich habe schon viele Anläufe unternommen, das Chaos um mich herum zu lichten – aber ohne Plan und jeweils schon nach wenigen zaghaften Schritten entmutigt aufgegeben.

Mindset Teil 1 – ich bin halt unordentlich

Ich hatte ein bestimmtes Bild von mir im Kopf: Ich war schon als Kind so, ich bin halt so da kann ich nichts dran ändern. Meine Eltern waren auch schon so – vor allem mein Vater – das habe ich halt geerbt und deshalb werde ich das nie ändern können. Ich habe mir eingeredet, ich bräuchte halt das kreative Chaos – und ich habe (unbewusst) Beweise gesucht und gefunden die das bestätigt haben. So, wie wir das halt alle machen, um unser Selbstbild zu festigen.

Beispiel: Einmal eine Mini-Ecke aufgeräumt, nach einer Woche was gesucht “ich weiß genau, früher war das in dem Stapel da in der Ecke – aber jetzt hab ich keine Ahnung mehr wo ich es hingeräumt habe” – also: Aufräumen ist doof und zerstört mir meine “Ordnung”. Schon klar…

Dazu kamen weitere negative Muster, die mir das Aufräumen erschwert haben: Der Gedanke “man muss ordentlich sein”, “es ist falsch, wenn es unordentlich ist” – und letzten Endes: ich bin ich schlechter Mensch, eine “Schlampe”, wenn es bei mir nicht aufgeräumt ist. Scham. “Chaos im Kopf zeigt sich im außen”. Also einen ganz starken Widerstand gegen mich selbst und gegen meine Umgebung.

Also, was ist diesmal anders? 

Warum bin ich jetzt so zuversichtlich, warum geht es mir so leicht von der Hand?

Mindset Teil 2 – positive Fragen

Vielleicht, weil ich mir genau diese Frage ab und zu stelle? Also: “Warum kann ich ganz einfach meine Wohnung so gestalten, dass ich mich dort wohlfühle?”

Unser Gehirn und Unterbewusstsein ist so toll: Jede Frage, die wir stellen, wird beantwortet. Egal, ob ich mich beiläufig frage “wie hieß noch mal gleich der Nachbar von damals mit Nachnamen?” – spätestens zwei Tage später unter der Dusche kommt der Name.

Egal ob ich frage “warum schaffe ich das mit dem Aufräumen nie?” – ich werde Gründe finden (siehe oben), spätestens “die Gene” sind immer ein toller Grund.

Oder eben wenn ich frage “warum geht mir das Aufräumen so leicht von der Hand?” – da dauert es (zumindest bei mir) tatsächlich länger, bis eine Antwort kam. Der Pfad ist in meinem Gehirn nicht so ausgetreten. Es war auch kein konkreter Gedanke der als Antwort kam – aber allein diese Frage zu stellen, hat völlig unbewusst dazu geführt, dass es auf einmal so ist.

Konkrete Strategien

Einen guten Teil haben auch konkrete Strategien meinen aktuellen Erfolg beim Aufräumen ermöglicht. Vor allem aus dem Umgang mit dem Nachlass meines Vaters (das ist noch mal eine andere Geschichte…), und auch in meiner Coachingausbildung habe ich drei Dinge gelernt:

1. Schwierige Entscheidungen vertagen. 

Beim Aufräumen bremsen so oft Gedanken wie “mhm, brauchen tu ich die Tasse eigentlich nicht und die Größe ist ziemlich unpraktisch, aber ist schon irgendwie schön, und meine Tante hat sie selbst getöpfert”, “hach, damals in der Lehre… das war schon eine schöne Zeit. ich werde dieses Berichtsheft nie mehr brauchen, aber es erinnert mich halt an die Zeit”, “oh, diesen Akkulader hat mir mein Ex-Freund damals geliehen und ich hab es nach der Trennung nie zurückgegeben. Brauchen tu ich das Ding nicht, aber wegschmeißen ist auch doof, gehört mir ja nicht…” (wahre Geschichten, übrigens).

Erinnerungen, die weh tun, schöne Erinnerungen an denen wir festhalten wollen. Eigentlich brauchen wir die Gegenstände nicht, aber es hängt so viel daran… Diese Gegenstände halten unglaublich auf beim aufräumen – sie kosten einen Großteil der Energie und Zeit. Deshalb bin ich dazu übergegangen, alles so schnell wie irgend möglich in eine dieser vier Kategorien zu sortieren: 

  • sofort wegwerfen
  • verschenken bzw. Verkaufen
  • Behalten
  • oder vertagen  

Ich komme so deutlich schneller durch den Stapel / die Kiste. Ich habe solche “Vertagen” Kisten auch schon ein zweites Mal durchsortiert, da fiel es schon wesentlich leichter zu einer Entscheidung zu kommen. Und es ist auch ok, wenn so eine Kiste noch ein paar Monate da ist, die kann ich auch anpacken wenn der Rest erledigt ist. 

2. Eine Kiste (Ecke / Regal…) nach der anderen. 

Wenn ich mir für heute vornehme “ich räume jetzt meine Wohnung auf”, dann erscheint mir das wie ein Riesenberg – unmöglich, viel zu viel, wo soll ich nur anfangen. Wenn ich mir für heute vornehme “Jetzt räume ich diese Kiste auf” dann ist das eine wesentlich konkretere Aufgabe. Eine Kiste schaffe ich, das ist ok, machbar, das verschafft mir ein Erfolgserlebnis. 

Für meine Wohnung habe ich mir eine lange Liste (bzw. inzwischen Mindmap) von Dingen gemacht, die ich erledigen muss, bis alles so ist wie ich es gerne hätte. Angefangen von “oben auf dem Schrank aufräumen und putzen” über “unteres Fach vom Regal beim Bett durchsortieren” bis hin zu “Gewürze durchsortieren” “alte Bücher verkaufen” und “Regale umstellen”.

Die Liste wächst auch immer mal wieder, wenn ich zum Beispiel feststelle, dass “Regale umstellen” mir zu viel erscheint, um es schnell und einfach zu erledigen – und dann gibt es eben ein paar neue Punkte (Plan machen wie die Regale neu stehen sollen, die ersten beiden Regale umstellen, eine Woche ausprobieren…). 

Das schönste an der Liste: durchstreichen, wenn ich etwas erledigt habe!

3. Ziel setzen, Deadline setzen und Plan machen. 

Ich habe mir ein konkretes Ziel mit Deadline gesetzt (bis Weihnachten dieses Jahr will ich meine Wohnung so haben, dass ich zuhause produktiv arbeiten kann), und dann von der Deadline aus geplant: Wie viel Zeit brauche ich für jeden Punkt auf der Liste, wieviel insgesamt? Wie viel Zeit muss ich pro Woche einplanen? Ist das realistisch? Fühlt es sich nach Fortschritt an? Beides konnte ich für mein Ziel mit “ja” beantworten und habe dann ungefähr geplant was ich wann erledigen will. 

Die konkrete Zeitplanung habe ich zwar schon nach zwei Wochen über den Haufen geworfen, weil sich meine Prioritäten geändert haben (auch das ist noch mal eine andere Geschichte…). An sich gibt es mir aber eine gewisse Orientierung und auch eine Motivation: Ich bin auf einem guten Weg und ich kann es schaffen.

Mindset Teil 3 – mit der Leere umgehen

Ich hatte also meine ersten Erfolgserlebnisse. Eines Tages war ein bisheriges Eck mit “Kruscht” plötzlich komplett aufgeräumt und – leer. Ich saß dann an einer bestimmten Stelle, von der aus ich genau auf dieses Eck schaue. Und auf einmal habe ich bemerkt, dass ich beim Anblick dieser leeren Fläche nicht nur den Stolz auf die getane Arbeit spüre, sondern auch ein gewisses Unbehagen. Ja, es war mir fast unheimlich. Eine Art Beklemmung, eine Angst.

Und schlagartig war mir klar: Diese Angst, dieses Unbehagen – das war der eigentliche Grund dafür, warum es nie mit dem Aufräumen geklappt hatte. Ich konnte und wollte dieses Gefühl nicht zulassen, nicht ertragen. Dieses Gefühl von Leere war offenbar so schrecklich – ohne mir bewusst zu sein! – dass ich jedes Fleckchen freien Platz schon nach kurzer Zeit wieder mit Dingen “mal eben kurz” und dann wieder dauerhaft gefüllt habe. 

Jetzt, wo ich weiß dass es auch diesen Teil in mir gibt, der die Leere fürchtet, kann ich mich damit befassen, mich diesem Teil zuwenden (und vermutlich ist auch das eine eigene Geschichte…). Allein, dass ich mir bewusst darüber bin, ändert schon eine Menge.

Wie geht es weiter?

Ich gehe jetzt erst mal dran, die Kiste mit den alten Schulbüchern und Schulheften durchzusortieren. Und höre dabei einen Podcast oder ein Interview von einem inspirierenden Menschen – zwei Fliegen mit einer Klappe. Gerald Hüther vielleicht, das würde zum Thema Schule passen. Aber das ist wieder eine – du ahnst es – ganz eigene Geschichte…

Update vom April 2020 – noch einfacher Aufräumen

Seit ich diesen Artikel veröffentlich habe ist fast ein Jahr vergangen – ein Jahr, in dem ich eine ganze Menge hilfreicher Strategien fürs Aufräumen für mich entdeckt und genutzt habe. Diese will ich hier jetzt hinzufügen.

4. Die Gunst der Stunde nutzen

Kennst du diesen Impuls? Etwas an der Wohnung nervt dich, und zwar gewaltig. Vielleicht auch schon seit längerem. Oft ignorierst du es einfach, es fällt dir schon gar nicht mehr auf, du hast dich daran gewöhnt.

Bei mir ist zum Beispiel seit Monaten (!) eine von zwei Lampen in der Küche kaputt. Da es in der Küche kein Fenster gibt, ist das durchaus ein Unterschied. Jetzt ist es aber so, dass ich mich an das schummrige Licht der einen Lampe gewöhnt habe. Wenn ich 100 mal in die Küche gehe, fällt mir höchstens 2-3 mal auf, dass die eine Lampe nicht geht.

Wenn es mir auffällt, dann kommt meist ein Gedanke wie “oh, die Lampe könnte ich auch mal austauschen”. Rate mal, wann ich das erledige. Richtig – nie. Manchmal kommt auch ein Gedanke “das nervt echt hier, mit diesem Licht!” und ich spüre auch, wie es mich nervt. Mich nervt dann vor allem auch, dass ich es so lange rausgezögert habe. Wenn es bei diesen Gedanken bleibt, passiert aber trotzdem noch nichts. 

Für mich hat sich ganz viel geändert, seit ich auf diese Momente quasi warte. Sobald ich merke, da regt sich ein Teil in mir, dem der aktuelle Zustand nicht gefällt, horche ich auf. Ich lasse den Teil größer werden und höre mir an, was er zu sagen hat. Und dann treffe ich eine bewusste Entscheidung.

Manchmal verhandle ich mit dem Teil, dass mir gerade andere Dinge wichtiger sind. Wenn ich z.B. in 2 Minuten ein Meeting habe. Manchmal mache ich dann auch mit mir selbst einen Termin, dass ich es z.B. nach dem Meeting erledige. Oder manchmal stelle ich es innerlich zurück, weil ich andere Prioritäten setzen will. Und manchmal entscheide ich, ok, ich mache es sofort. Ich nutze die Energie dieser momentanen Unzufriedenheit, erledige es und feiere meinen kleinen Erfolg

5. Feste Orte – und Inseln der Ordnung

Für mich hat sich bewährt, für einzelne Dinge feste Orte zu schaffen. Also z.B. ein Platz, an dem meine ganzen (aktiv genutzten) Ladekabel sind. Oder ein Platz für meine Schlüssel. Oder ein Platz für Kopfhörer. Sobald ich einen neuen Ort festgelegt habe, heißt es konsequent sein:

An diesen Ort kommen dann nur noch die vorgesehenen Dinge, nichts anderes mehr. Und diese Dinge liegen immer nur am vorgesehenen Ort, nirgends sonst mehr (es sei denn, ich benutze sie gerade, natürlich).

Ich habe erst mit ein, zwei kleinen Dingen angefangen und mit der Zeit immer mehr solche kleinen Ordnungsinseln geschaffen. 

6. Konsequente und effiziente Entsorgung

In einem durchschnittlichen Haushalt fallen ja immer auch Abfälle an oder Dinge, die man nicht mehr haben will. Plastik, Altglas, Altpapier, Restmüll, Biomüll, Pfandflaschen, Metalle, Dinge für den Wertstoffhof, noch verwertbares. 

Für mich war der Schlüssel hier: Erst mal eine Basis schaffen. Den größten Berg in einer Aktion entsorgen oder loswerden. Um genau zu sein, hat sich diese eine Aktion bei mir über ein paar Wochen gestreckt, weil es so viel war. Aber ich habe dabei wirklich einen Großteil aus der Wohnung geschafft.

Altglas war zum Beispiel so viel, das konnte ich gar nicht alles gleichzeitig zum Container tragen – da bin ich über einige Tage immer mal wieder hin und habe quasi bei jedem Gang aus dem Haus eine Tasche voll alter Flaschen und Gläser mitgenommen. Damit war dieses Gefühl von “es ist so viel, das schaffe ich nie” oder “das dauert ewig, bis das erledigt ist” weg. 

Seit ich den angestauten Berg los habe, hilft mir auch hier Konsequenz. Es gibt bei mir nur genau eine Tasche, in die ich Altglas zwischenlagere. Und nur eine Tasche für Pfandflaschen. Sobald eine der Taschen sich gut gefüllt hat, nehme ich sie bei der nächsten Gelegenheit mit zum Container bzw. zum Laden. 

7. Das ist doch eigentlich noch ganz gut – Flohmärkte

Vielleicht kennst du auch diese Dinge, die an sich noch ok sind. Schon noch brauchbar – aber du brauchst sie nicht mehr, magst sie nicht mehr oder hast sie sowieso mal von jemandem geschenkt bekommen der deinen Geschmack nicht kennt. Zum Wegwerfen – zu schade. Behalten – sinnlos.

Diese “Flohmarkt-Sachen”, versuche ich meist auf ebay-kleinanzeigen loszuwerden. Mich selbst auf den Flohmarkt zu stellen ist mir zu mühsam. Alternativen die ich auch schon genutzt habe: Bei Sozialkaufhäusern abgeben, bei nebenan.de anbieten oder Freunden schenken.

Bei den Kleinanzeigen hat es ein Weilchen gebraucht, bis ich meine anfängliche Einstellung von “alles einzeln verkaufen, könnte ja noch ein bisschen Geld bringen” losgelassen habe. Mit dieser Strategie habe ich zwar tatsächlich ein paar Euro eingenommen, bin aber erschreckend wenig Dinge mit erschreckend viel Zeitaufwand losgeworden. Einen Stundenlohn rechne ich da lieber nicht aus…

Deshalb habe ich irgendwann meine Strategie geändert: ich habe grob sortiert in thematische Pakete: zum Beispiel eine Kiste Haushaltswaren, eine Kiste Elektronikzeug, ein Stapel Computerspiele und ein paar Kisten Bücher, einzelne Dinge mit Restwert wie z.B. ein Tisch. Das habe ich dann in Paketen auf ebay-Kleinanzeigen gestellt. Wenn ich denke, alles im Paket hat auch noch einen Geldwert, schlage ich einen entsprechenden Preis vor. Wenn ich denke, im Paket ist insgesamt viel ohne Geldwert und ein paar Dinge mit Geldwert, dann verschenke ich es.  

Damit habe ich nicht nur in kürzester Zeit sehr viele Kartons geleert, sondern ich hatte ganz nebenbei auch einige nette Gespräche mit interessanten Menschen, die die Dinge abgeholt haben. Die Dame, die sich für Fremdsprachen interessiert und ganz begeistert meine ganzen ausgemusterten  französischen und englischen Bücher eingepackt hat. Oder die Dame, die regelmäßig auf Flohmärkte geht und den Erlös für Tierschutzprojekte spendet.

8. 80:20 Prinzip. Gnädig mit mir selbst sein

Wenn ich mir mein persönliches Idealbild von Ordnung vorstelle, dann habe ich das noch nicht erreicht. Aber ich bin bei ungefähr 70 Prozent. Das heißt für mich, ich fühle mich schon einigermaßen wohl, spüre aber schon noch deutlich, dass Luft nach oben ist.

Ich weiß, dass es 20% der Energie kostet, um 80% vom Ergebnis zu erreichen – dieses sogenannte Pareto-Prinzip kennst du bestimmt. Gerade beim Aufräumen finde ich es hilfreich, nicht alles sofort perfekt zu wollen. Es reichen auch erst mal 70-80 Prozent. Dann tut es mir auch gut, erst mal diesen Zustand eine Weile zu genießen. Erst ein paar Wochen später prüfe ich dann, ob ich bereit bin, noch mal viel mehr Energie in die letzten 20-30 Prozent zu stecken. 

Ich habe festgestellt, dass sich meine Vorstellung von Ordnung mit der Zeit auch ändert. Je länger ich in einer einigermaßen ordentlichen Umgebung bin, desto eher stören mich dann manche der restlichen Chaoskisten. Und an anderen Stellen ist es für mich dann doch ok, einen Kompromiss einzugehen und es etwas lockerer zu lassen.

Wenn ich doch mal wieder eine Stelle finde, an der sich Chaos erneut ausgebreitet hat, dann versuche ich gnädig mit mir zu sein. Das passiert einfach. Wichtig ist, wie ich darauf reagiere: Lasse ich es dabei? Oder räume ich auf? Bin ich streng zu mir und mache mich selbst fertig? Oder bin ich gnädig und sehe es als Lernprozess oder als Fluß des Lebens an?

9. Erfolge feiern

Ich merke immer wieder, wie wichtig es mir geworden ist, meine auch noch so kleinen Aufräum-Erfolge zu feiern.

Neulich habe ich zum Beispiel meine (ziemlich chaotischen) Gewürze sortiert und in Gläschen gefüllt. Ich bin dann am Abend noch mal in die Küche und habe mir angeschaut, was sich alles geändert hat und wie gut mir das mit den neuen Gläschen gefällt. Ich habe mir sozusagen noch mal selbst auf die Schulter geklopft “gut gemacht, Judith!”

10. Nicht verzetteln

Eine Kleinigkeit, die mich aber schon einige Male viel Energie gekostet hat: verzetteln. Also, an zwei Stellen gleichzeitig aufräumen. Ich weiß nicht, wie es bei dir ist, wenn du aufräumst oder ausmistest – aber bei mir wird das Chaos erst mal noch größer als vorher. Zum Beispiel breite ich den Inhalt eines Papierstapels gefühlt auf dem ganzen Boden aus in ein Duzend (sortierte) Stapel. 

Gleichzeitig fällt mir dann manchmal eine ganz andere Baustelle auf, die ich auch schon längst anpacken wollte – zum Beispiel den Abwasch in der Küche. Ganz schnell ist es dann passiert, dass ich dann zwar den Abwasch erledige, danach aber überhaupt keine Lust mehr auf den Papierstapel habe. Klassisches verzetteln halt.

Gelegentlich fällt mir auf, dass diese anderen Baustellen zu denen ich wechsle, eher Ablenkungsmanöver sind. Wenn das Papiere sortieren gerade anstrengend oder unangenehm ist, suche ich quasi überall nach Ablenkungen.

Hilfreicher als sich der Ablenkung hingeben finde ich: eine kurze Frischluft-Pause machen und dann erst mal die eine Aufgabe zu ende zu bringen. Wenn ich dann noch Aufräum-Energie übrig habe, kann ich immer noch beim zweiten Eck weitermachen.

11. Mit vielen kleinen Schritten ans Ziel

Wenn ich meine Aufräum-Energie überstrapaziere, vergeht mir schnell mal die Lust. Dann mache ich zwar an diesem einen Tag ganz viel, kann mich dann aber wochenlang nicht mehr aufraffen.

Deshalb mag ich lieber kleine Häppchen, bei denen ich trotzdem kleine Erfolgserlebnisse spüren kann, und die Aktion trotzdem noch halbwegs angenehm bleibt. Dann ist beim nächsten Mal die Motivation auch höher, wenn ich lerne, dass das mit dem Aufräumen gar nicht so schlimm ist. 

Kontinuierliche kleine Schritte führen am Ende schneller weiter als eine Folge von unregelmäßigen Sprüngen.

12. Der innere Saboteur

Ein Augenöffner für mich war die Erkenntnis, dass es in mir einen Teil gibt, der keinen Bock aufs Aufräumen hat. Und vor allem, dass dieser Teil auch eine Berechtigung hat. Dieser Teil setzt sich für etwas ein, was mir wichtig ist. Zum Beispiel Erholung und Entspannung.

Ein gewisser Teil von Autonomie spielt auch eine Rolle. Die unbewusste Erinnerung an viele Male, als ich als Kind “jetzt sofort” aufräumen musste. Da wehrt sich einfach der Teil, der selbst entscheiden will was ich wann wie mache. Allein das Bewusstsein darüber, dass dieser Teil existiert, hat für mich einiges bewegt. Ich bin jetzt schließlich erwachsen und ich entscheide selbst, was ich wann wie aufräume…

Dieser innere Saboteur, der uns immer wieder am Aufräumen hindert, kann viele Gestalten haben – und oft ist es sehr schwierig, ihm allein und ohne Unterstützung auf die Spur zu kommen. (AufblühCoaching kann genau dazu beitragen 😉)

13. Worum geht es mir beim Aufräumen eigentlich?

Abseits von den konkreten Zielen fürs Aufräumen frage ich mich auch immer mal wieder: Wie möchte ich mich fühlen beim Aufräumen, durch das Aufräumen? Was will ich erleben indem ich aufräume?

Das hilft mir, die konkreten Ziele sinnvoller festzulegen. Ein Beispiel: Eine Motivation fürs Aufräumen war für mich, mehr Platz zu haben. Ich wollte Yoga machen können, ohne ständig an irgendwas anzustoßen. Und mich so entspannen und gleichzeitig bewegen können.

Deshalb habe ich meine Prioritäten entsprechend festgelegt und als erstes dort Dinge aufgeräumt und umgestellt, wo mein Yoga-Platz beengt wurde. Das ging ziemlich schnell und ich konnte mit wenig Aufwand meine Lebensqualität deutlich steigern.

14. Für wen räumst du auf?

Das klingt jetzt vielleicht nach einer komischen Frage. Für wen räumst du auf und welche Maßstäbe setzt du an? Räumst du für dich auf und setzt deine eigenen Maßstäbe an? Oder räumst du für andere Menschen auf und setzt deren Maßstäbe an?

Vielleicht ist deine reflexartige Antwort jetzt: na klar für mich! Aber lass diese Frage mal auf dich wirken – willst du wirklich aufräumen, weil du selbst es ordentlicher haben willst? Oder willst du dich nicht schämen wenn Besuch kommt? Gibt es Erwartungen oder Befürchtungen die du in Bezug auf andere Menschen und die Ordnung in deiner Wohnung hast?

15. Den Bedingungs-Knoten lösen

Ich höre immer mal wieder – gerade in Bezug auf die Ordnung in der eigenen Wohnung – solche Sätze: “also wenn es so unordentlich ist, dann kann ich gar nicht kreativ sein. Ich würde ja gern mal wieder, aber das blockiert mich einfach”. (und tatsächlich ist es genau die Kreativität, die in diesem Zusammenhang schon mehrfach genannt wurde)

Ich sag’s mal im Klartext: Hier blockieren in aller erster Linie genau diese Gedanken. Anders formuliert: das ist eine Ausrede. Solange es noch nicht aufgeräumt ist, brauchst du nicht kreativ werden – mit allen guten und schlechten Folgen.

Frag sich mal: Was würde passieren, wenn du deine Kreativität trotzdem lebst? 

Wenn dir Kreativität wirklich wichtig ist – wie kannst du sie noch leben? Sei ehrlich mit dir selbst: kommen auch hier sofort bei jeder Idee Ausflüchte und Gründe, warum das nicht geht? Oder bist du wirklich offen für kreative Lösungen? 

Ich finde es ein klein bisschen ironisch, dass manche Menschen sich vor dem Aufräumen drücken weil sie angeblich ein “kreatives Chaos” brauchen. Und andere Menschen drücken sich vorm Kreativsein, weil es in ihrer Umgebung angeblich so chaotisch ist. Ich bin davon überzeugt, dass beides völlig ohne Zusammenhang ist. Kreativität ist in uns Menschen angelegt, genauso wie Ordnung. Wir können beides völlig unabhängig voneinander leben.

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