GFK-Workshoptage Online

Seit einiger Zeit bin ich im Netzwerk Gewaltfreie Kommunikation München e.V. aktiv, seit Mitte 2019 auch im Vorstand. Zweimal im Jahr, jeweils im Januar und Juli, organisiert der Verein ein Workshoptage in München – ein Wochenende mit 36 zweistündigen Workshops von unterschiedlichen Trainern, alles Themen rund um die Gewaltfreie Kommunikation.

Die 18. Workshoptage im Juli 2020 waren schon fix und fertig geplant, Flyer frisch gedruckt und die Buchung auf der Vereins-Homepage eröffnet. Tja, und dann kam Corona…

Von der ersten Idee…

Vorsorglich hatten wir schon Mitte März die Buchungsmöglichkeit für die geplanten Workshoptage vor Ort in München auf Eis gelegt und dem Veranstaltungsort schon mitgeteilt, dass wir möglicherweise absagen werden – damit wir nicht schlimmstenfalls auf den Stornokosten für die Räumlichkeiten sitzen bleiben würden.

Sehr schnell kam dann der Vorschlag von einem Vorstandskollegen und mir: lasst uns es doch Online machen! In zwei Thementreffs per Zoom gab es am 21. März und 4. April den ersten Austausch mit dem kompletten Vorstands-Team und mit einigen interessierten Vereinsmitgliedern.

Viele, viele Fragen kamen auf – wie kann es gehen, wie könnte es aussehen?

Wollen wir Geld für die Workshops verlangen? Wir haben uns für “ja” entscheiden. Um die Verbindlichkeit der Anmeldung zu erhöhen, und weil der Verein sich und seine Förderprojekte zu einem Großteil auch von den Einnahmen aus den Workshoptagen finanziert.

Wollen wir verschiedene Workshops parallel anbieten oder zu einer Zeit nur einen? Solange wir mit dem Format noch keine Erfahrung haben, haben wir uns für einen Workshop zu einer Zeit entschieden.

Soll es eine Aufzeichnung geben? Die Antwort war recht schnell: Nein. Uns ist Vertraulichkeit wichtig und die meisten Workshops leben wesentlich von der Interaktion zwischen den Teilnehmern und den Übungen leben.

Wie erfahren Menschen davon? Wie viel Aufwand stecken wir in Werbung? Für die “analogen” Workshoptage haben wir immer Flyer in ganz München verteilt – die anbietenden Trainer haben die Flyer in ihren Seminaren ausgelegt, außerdem wurden sie in Läden verteilt. Alles dieses Jahr durch die Corona-Beschränkungen quasi nicht möglich. Um den Aufwand klein zu halten, haben wir erst mal nur über den Newsletter die Vereinsmitglieder und Teilnehmer früherer Veranstaltungen angeschrieben. Wir wollten auch erst mal schauen, wie es läuft. Auf der (kleinen) Facebookseite des Vereins legen wir die Veranstaltung auch an und teilen sie in passenden Gruppen.

Am 4. April hat sich während des Treffens die neue AG Online-Veranstaltungen formiert. Insgesamt fünf Personen, eine davon ich, haben sich bereiterklärt, die Planung und Organisation zu übernehmen.

…zur konkreten Planung und Vorbereitung

Nach einigen ersten Treffen haben wir in der AG Online-Veranstaltungen mal rückgerechnet: ausgehend vom Veranstaltungswochenende, einer genügend langen Buchungszeit für die Teilnehmer und allem was bis zum Buchungsbeginn geklärt sein musste – die Zeit wurde plötzlich gefühlt sehr knapp.

Deshalb haben wir etwas früher als ursprünglich geplant am 4. Mai die Entscheidung gefällt: wir sagen die Veranstaltung vor Ort ab und verlagern die Workshoptage ins Internet. Auch wenn die Beschränkungen vermutlich weiter gelockert werden, war es nicht absehbar wie im Juli genau sein würde.

Es gab eine Menge Fragen zu klären und zu besprechen.

Zum Beispiel die Auswahl des Tools, über das die Workshops stattfinden sollten. Wir haben uns für Zoom entschieden. Trotz gewisser Bedenken bezüglich Datenschutz und Sicherheit – das ging ja immer mal wieder durch die Presse in den letzten Monaten. Trotzdem: wir haben kein Tool gefunden, dass ähnliches bietet in Bezug auf Verlässlichkeit und leichte Bedienung. Vor allem die Breakout-Rooms haben wir zumindest damals in keinem anderen Tool gefunden. Für Übungen in Kleingruppen, wie sie in den Workshops regelmäßig stattfinden, quasi unverzichtbar.

Hier noch ein Auszug aus den weiteren Themen:

  • Emails für die Teilnehmer – was soll drinstehen, wann sollen sie verschickt werden?
  • emails für die Trainer – was soll drinstehen, bis wann brauchen wir welche Infos von den Trainern?
  • welche Unterstützung bieten wir als Verein an?
  • wie können wir den Rahmen und die Atmosphäre der Vor-Ort-Workshoptage zumindest teilweise in ein Online-Format übertragen?
  • wer macht wann was?

Insgesamt hat sich die AG Online-Veranstaltungen 14 Mal getroffen, also quasi jede Woche einmal – natürlich alles per Zoom.

Hört sich erst mal anstrengend an. War es manchmal auch. Gleichzeitig hatte ich immer viel Spaß bei den Treffen und es gab eine sehr angenehme, lockere Atmosphäre. Mehrfach bin ich müde in ein solches Treffen gestartet und war danach voller Schwung .

Trainer-Workshop

Als Angebot vor allem für Trainer, die noch nicht so viel Erfahrung mit Online-Formaten oder mit Zoom haben, haben wir am 22. Mai einen zweistündigen Workshop veranstaltet. Thema: die Funktionen und Bedienung von Zoom, wie laufen die Online-Workshoptage ab und didaktische, methodische Tipps für ein Online-Format

Hier ein paar Stichpunkte dazu:

  • Zoom – Sprecheransicht und Galerieansicht. Jemanden festpinnen oder sich selbst ausblenden
  • Zoom – alle oder einzelne stummschalten, z.B. bei Nebengeräuschen
  • Zoom – Umfragen, Breakout-Rooms, Whiteboard mit Kommentarfunktion für alle, Bildschirm teilen
  • Teilnehmer können ihren Namen selbst ändern – z.B. für einen geschützteren Rahmen nur den Vornamen. Als Stimmungbild “wie geht es dir gerade – schreib es hinter deinen Namen”
  • Methodenwechsel – besonders wichtig bei Online-Formaten, um die Aufmerksamkeit zu halten
  • echtes Flipchart im Hintergrund beschreiben – evtl. mit zweiter Kamera
  • Cloud-Dienste für gemeinsames Arbeiten an Dokumenten, z.B. google docs
  • bei Ankommens- oder Feedback-Runden: Teilnehmer möglichst direkt ansprechen – jeder sieht eine andere Reihenfolge

Bei der Vorbereitung fand ich die “Virtual Training FAQ” von Franzi Blickle sehr hilfreich, dort gibt es viele Hinweise für Trainer von Online-Trainings.

Am 9. Juni war ich noch zu Gast bei einem Online-Treffen der Projektgruppe Tag der GFK (Gewaltfreie Kommunikation). Uns hatte eine Anfrage erreicht, dass andere Netzwerke in Deutschland auch Online-Workshoptage planen und ob wir bereit wären, unsere Erfahrungen dort zu teilen. Ich fand es schön, dass unsere Arbeit auf Interesse stößt und habe dort gerne berichtet.

Mein eigener Workshop: Mut!

Thema meines eigenen Workshops war “Den eigenen Mut entfesseln!” Und ganz ehrlich: ich habe im Vorfeld lange überlegt, ob ich es mich traue, diesen Workshop zu halten. Ich habe erst wenig Erfahrung mit Workshops. Online-Coaching mache ich ja regelmäßig, aber ein Online-Workshop mit mehreren Teilnehmern ist doch etwas anderes.

Ich habe mich getraut! Und ich war am Tag des Workshops ziemlich aufgeregt und habe auch nicht besonders gut geschlafen in der Nacht vorher. Klappt es mit meiner Zeitplanung? Haben die Teilnehmer Aha-Momente und können etwas für sie wertvolles mitnehmen?

Es lief alles so wie geplant und ich habe viel Feedback bekommen, dass der Workshop sich für die Teilnehmer gelohnt hat. Ich bin zufrieden! Und ich will den Workshop gerne noch mal anbieten – hoffentlich dann für eine längere Kursdauer, oder auch vor Ort.

Interessiert dich, wie du deinen Mut entfesseln kannst? Dann fordere hier mein Mut-Workbook an:

Orga am Veranstaltungswochenende

GFK-Workshoptage Online

Wir haben es so organisiert, dass es für jeden einzelnen Workshop einen “Paten” gab, also eine Person aus der AG Online-Veranstaltungen, die den Workshop betreut hat: Meeting starten, Teilnehmer begrüßen und mit der Anmeldeliste vergleichen, kurz ein paar Worte zum Verein sagen und am Ende auf die Zeit achten und den Workshop wieder beenden.

Zusätzlich haben wir angeboten, die Trainer technisch zu unterstützen: Breakout-Rooms einteilen und starten zum Beispiel. Einige Trainer haben dieses Angebot auch dankend angenommen, weil sie sich so entspannter auf den eigentlichen Workshop konzentrieren konnten.

Ich hatte es ziemlich einfach mit den Trainer, die ich betreut habe. Die waren routiniert und Zoom-erfahren. Das kam mir ziemlich gelegen, weil ich direkt nach meinem eigenen Workshop dran war und doch recht platt war. So hatte ich mit einem Trainer während eines Breakout-Rooms für die Teilnehmer ein recht langes, angenehmes Gespräch. Und beim anderen Workshop hatte ich die Gelegenheit, eine Kleinigkeit nebenher zu essen.

Das Rahmenprogramm

Bei den üblichen Workshoptagen vor Ort “analog” ist eins meiner Highlights immer das, was außerhalb der Workshops stattfindet. Alte Bekannte wiedersehen, die ich vor Jahren mal in einem Seminar kennengelernt habe. Mit Menschen sprechen, die das Plakat draußen gesehen haben und einfach so reinkommen und schauen, um was es da geht. Mich mit anderen Teilnehmern austauschen – über das, was wir gerade im Workshop gelernt haben oder auch einfach so.

Deshalb war es mir ein wichtiges Anliegen, zumindest einen Teil davon auch Online zu ermöglichen.

“Zoom Café”

GFK-Workshoptage Online

Während der beiden Workshoptag gab es ganztägig einen Zoom-Raum, der für lockere Treffen vorgesehen war. Es war immer mindestens eine Person aus dem Orga-Team anwesend, oft auch mehrere. Es kamen zwar weniger Gäste als ich erhofft hatte, aber es kamen Gäste. Vor allem Trainer und Teilnehmende nach einem Workshop.

Manchmal haben wir es genutzt um einfach so miteinander zu reden, eine Gruppe hat in einem Breakout-Room noch weiter über den Workshop gesprochen, wir haben uns ausgetauscht wie die Erfahrungen mit dem Online-Format waren und am Rande auch noch ein paar Vereinsangelegenheiten besprochen.

Einige Zeit war ich jeweils vormittags auch länger alleine im Zoom Café – das habe ich recht produktiv genutzt, um mein aktuelles Projekt zu planen- einen Online-Kurs für bessere Entscheidungen.

GFK-Single-Treff

GFK-Workshoptage Online

Ein bisschen aus einer wilden Idee heraus entstanden ist der GFK-Online-Single-Treff. Eine Möglichkeit, andere Singles zu treffen die sich für die Gewaltfreie Kommunikation interessieren und sich auszutauschen und kennenzulernen.

Zu zweit haben wir uns im Vorfeld überlegt, wie wir den Abend gestalten können, wie wir die Teilnehmer ins Gespräch bringen können. Ein perfekter Plan! Von dem wir dann aber quasi nichts umgesetzt haben. Eine kleine aber feine Runde waren wir an dem Abend, es gab einen regen Austausch über Themen die uns einfach gerade beschäftigen. Und wir haben uns auch darüber unterhalten, wie es gelingen kann, einen Partner zu finden, der die eigenen Interessen teilt.

Fazit

Teilnehmerzahl: es hätten noch deutlich mehr Menschen teilnehmen können – aber dafür dass wir kaum Werbung gemacht haben war es prima. Beim ersten Anlauf mit einer überschaubaren Anzahl Teilnehmer zu starten, lässt einfach auch entspannt mehr Raum fürs Ausprobieren und Erfahrung sammeln.

Mir hat es jedenfalls trotz zeitweiliger (Zoom-)Müdigkeit großen Spaß gemacht, sowohl die Vorbereitung als auch die Workshop-Tage selbst. Und mal sehen, ob und wann wir die nächsten Online-Workshoptage planen…

Judith mit müdem Blick. Text: nach 12 Stunden Dauer-Zoom - müde, zufrieden, beschwingt
Am Samstag Abend waren es 12 Stunden Zoom – am Sonntag kamen dann noch mal 6-7 Stunden dazu…

Schreibe einen Kommentar